Mila Haegele | 29.8.2024

Bad Malente neu denken

Warten auf den nächsten kreativen Moment: Der Kurpark – unser zukünftiger Hotspot für Kunst, Kultur und inspirierende Begegnungen?

Eine Vision für Bad Malente – Ein Ort voller Möglichkeiten


Bad Malente – ein Ort, der immer wieder auch bessere Zeiten erlebt hat, steht jetzt erneut vor Herausforderungen. Viel Leerstand und ungenutzte Potenziale prägen das Stadtbild. 


Statt ein unzeitgemäßes und überdimensioniertes Luxus-Resort zu bauen, dessen Besucher*innen sich kaum für Malente interessieren und hier wahrscheinlich nicht einmal einkaufen werden, sollten wir uns fragen: 


Wie kann Malente nachhaltig belebt und entwickelt werden?



1. Potenziale entdecken und nutzen: Bad Malente neu gedacht


Bad Malente trägt nicht nur eine reiche (und mondäne) Geschichte in sich, sondern auch ein enormes Potenzial für die Zukunft.


Die hervorragende Zuganbindung an Großstädte wie Kiel, Lübeck und Hamburg, der kurze Weg vom Bahnhof in die Innenstadt sowie die moderne Glasfaserinfrastruktur bieten ideale Voraussetzungen für Pendler*innen und digitale Nomaden. Dies eröffnet Chancen für die Ansiedlung von Kreativen und digitalen Fachleuten, die Bad Malente als neuen Lebens- und Arbeitsort entdecken können.


Stellen Sie sich vor, Bad Malente wird zur neuen Heimat von Pionier*innen, die mit frischen Ideen und innovativen Projekten den Ort wiederbeleben. Die Idee, ein Stück des „Summer of Pioneers“-Konzepts nach Bad Malente zu holen, ist vielversprechend. Dieses erfolgreiche Modell, das Kreative und Digitalschaffende für sechs Monate auf ein Landleben auf Probe einlädt, könnte auch hier frischen Wind bringen. Schon während der Corona-Pandemie haben viele Menschen die Großstädte verlassen und suchen weiterhin nach ruhigeren, aber inspirierenden Orten zum Leben und Arbeiten.


Leider ist Bad Malente aktuell kulturell eher unscheinbar, was es noch schwerer macht, neue Impulse zu setzen. Doch genau hier liegt das Potenzial: Kreative Zwischennutzungen können nicht nur leerstehende Immobilien und die Innenstadt beleben, sondern auch neue, moderne Betreiber*innen und innovative Projekte anziehen. 


Diese künstlerischen und kulturellen Initiativen könnten Netzwerke schaffen und Bad Malente als dynamischen, kreativen Ort neu positionieren. Die Stadt könnte auf diese Weise ein neues Publikum gewinnen und sich als lebendiger, inspirierender Standort präsentieren.

Es geht ja – Ausstellung von Jörg Barre im September 2021 in der Liegehalle

Es geht ja – Ausstellung von Jörg Barre im September 2021 in der Liegehalle

2. Kunst und Kultur als Impulsgeber: Bahnhofstraße, Diekseepromenade und Kurpark neu beleben


Warum nicht von anderen Orten lernen, zum Beispiel von Bad Gastein im Salzburgerland. Inmitten des pittoresken Ortskerns steht ein riesiges, brutalistisches Kongresszentrum – außer Betrieb, verfallen und lange verlassen. Schon diese Parallele zu Bad Malente und dem Intermar ist nicht zu übersehen. Doch Bad Gastein hat es geschafft, sich neu zu erfinden. Dort hat das Kunstfestival „Sommer Frische Kunst“ – kuratiert von Andrea von Goetz und ihrem Team –  neue Inspiration gebracht. Leerstehende Gebäude werden zu temporären Kunst- und Ausstellungsorten, die sowohl bekannte als auch aufstrebende Künstler zusammenbringen und zeigen, wie kreative Konzepte ganze Gemeinden beleben können. Dieses Modell passt auch zu Malente.


Leerstehende Gebäude und Lost Places haben wir ausreichend, und diese könnten als Kunst- und Ausstellungsorte dienen – Orte, die Geschichten erzählen und Künstler*innen Raum geben, sich auszudrücken. Stellen Sie sich Kunstwerke im Kurpark vor, die die Natur umarmen, statt sie zu ersetzen. 


Auch die Bahnhofstraße mit ihren leerstehenden Läden wäre ideal, um diese in Ateliers und Pop-up-Galerien zu verwandeln, die Platz für Kreativität und Begegnungen bieten. Dadurch wird die Straße wiederbelebt und zu einem  Ort, der Künstler*innen, Anwohner*innen und Besucher*innen gleichermaßen anzieht und inspiriert.


Warum nicht eine Open-Air-Galerie entlang der Diekseepromenade, die Kunst beim Flanieren erlebbar macht. Ob Skulpturen, interaktive Installationen oder Fotografie – die Promenade bietet die ideale Kulisse, um Natur und Kunst in einem einzigartigen Setting zu vereinen. Danach trifft man sich auf einen Drink vor der Kulisse der Flamingo Bar im Erdgeschoss des Intermars. 


Zudem könnte der Kurpark als Herzstück eines solchen Festivals dienen. Ein Kaffee-Bike und 1-2 Food-Trucks sorgen für das leibliche Wohl, während Open-Air-Workshops, Performances und Konzerte die kreative Atmosphäre schaffen. Der Kurpark mit seiner famosen Liegehalle würde zum pulsierenden Mittelpunkt eines kulturellen Events, das deutschlandweit Besucher*innen anzieht.


Ein weiterer Vorteil: Inzwischen gibt es Galerien wie die Culterim Gallery, die sich auf solche Zwischennutzungen spezialisiert haben. Vor allem in der Region Berlin-Brandenburg organisieren sie Ausstellungen, Ateliers, Residenzen und Kunstmärkte in leerstehenden Räumen. Ihr Ziel ist es, den Leerstand zu reduzieren, indem sie temporäre physische Räume für Kunst und Kultur zur Verfügung stellen. Solche Partnerschaften könnten auch in Bad Malente realisiert werden, um die Kreativszene zu beleben und die lokale Wirtschaft zu unterstützen.


3. Kreative Begegnungsorte: Co-Working und Konferenzen in inspirierender Umgebung


Die zentrale Lage von Malente macht es auch zu einem idealen Treffpunkt für Menschen aus Kiel, Lübeck und Hamburg. Warum nicht im Leerstand Pop-up-Konferenzräume oder temporäre Co-Working-Spaces schaffen, die speziell für die Kreativ- und Digitalbranche ausgelegt sind?


Eine Woche lang in einer idyllischen Umgebung arbeiten, am Next Big Thing schrauben, frische Luft schnappen und dann zur Mittagspause an den Dieksee – das könnte sowohl die Produktivität als auch das Wohlbefinden steigern. Diese Orte können auch für Besprechungen außerhalb der üblichen Büroumgebung (sogenannte Off-Site-Meetings) oder für Teambuilding-Aktivitäten genutzt werden. Solche Veranstaltungen tragen dazu bei, den typischen Büroalltag aufzulockern und die Zusammenarbeit im Team zu stärken.


4. Gemeinschaft und Vernetzung: Eine Stadt im Dialog


Ein wichtiger Aspekt jeder erfolgreichen Ortsentwicklung ist die Einbeziehung der bestehenden Bevölkerung. Veranstaltungen und Workshops können organisiert werden, um Bewohner*innen aktiv in den Veränderungsprozess einzubeziehen. 

Eine Stadt, die im Dialog bleibt, wird zu einem lebendigen Ort, an dem sich jede*r willkommen und gehört fühlt. 


Ein neues Kapitel für Bad Malente schreiben


Bad Malente hat das Potenzial, einen kreativen und kulturellen Neustart hinzulegen, der sowohl Einheimische als auch Besucher*innen inspiriert und begeistert. 


Ja, es braucht den Mut, neue Wege zu gehen und Ideen umzusetzen. Von Kunstfestivals und kreativen Arbeitsorten bis hin zu gemeinschaftsorientierten Projekten – die Chancen sind da.


Mit diesen organischeren Ansätzen könnte Bad Malente nicht nur zu einem attraktiven und verjüngten Wohnort, sondern auch zu einem inspirierenden Reiseziel werden – ein Ort, der Geschichte und Zukunft, Natur und Kreativität harmonisch miteinander verbindet. 


Lassen wir den NEUEN GEIST VON MALENTE aus der Flasche! 



Was denken Sie?

Falls auch für Sie noch wichtige Fragen offen sind, Sie sich von den Planungen in besonderer Weise betroffen fühlen oder einfach mal Ihre persönliche Sicht teilen wollen: Schreiben Sie uns.